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Deutsche Fußtruppen der Intifada - offener Brief an die Pampa


Wie könnte Euch jemand Euer Treiben übel nehmen? Ihr wollt doch nur Friede auf Erden und den Menschen ein Wohlgefallen. Kritik und sonstiges Zeugs, das Disharmonie hervorrufen könnte, habt ihr abgestreift, übriggeblieben ist scheinbar ein Pazifismus, der sich als Antimilitarismus nur mehr tarnt: "Unsere Solidarität gilt ausschließlich denen, die Opfer und Gegner dieser nationalistischen Politik sind. Für das Leben aller Menschen in Israel und Palästina" (alle kursiven Passagen sind Zitate von Euch). So heißt es in Eurem Flugblatt, dass Ihr auf unserer Kundgebung gegen Antisemitismus und für Israel am 24. April verteilt habt. [Unser Flublatt (html)  (pdf)] Alle seien irgendwie Opfer der nationalistischen Politik beider Seiten, man müsse mit denen solidarisch sein, die damit aufhören wollen. Toll! Für das Leben, gegen das Sterben, seid nett zueinander! Eine Forderung, die wohl alle unterschreiben würden, schon ob ihrer nicht mehr zu übertreffenden Harmlosigkeit.

Äquidistanz scheint angesagt bei Euch, moralisch steht Ihr immer auf der richtigen Seite, nämlich auf der der Unterdrückten. Wir dagegen betrieben "linksnationalistische Kriegspropaganda", ergötzten uns an den Toten, am Blut und den Tränen der PalästinenserInnen, und das Ganze auch noch "unter Polizeischutz". Klar: ohne die Bullen hätten uns die zwei aufrechten Friedensfreunde Einhalt geboten und Göttingen vor der Zumutung gerettet, dass sich jemand öffentlich mit Israel solidarisiert. So aber seht Ihr Euch gezwungen, das ganze Geschwafel von den armen Opfern auf beiden Seiten fallen zu lassen und auf Eurer Homepage mal zu erklären, wer die wahren Schuldigen sind: die Zionisten, beziehungsweise ihr Staat und seine Freunde, also die "Achse Israel/USA". Und wenn schon Achsenmächte am Start sind, darf Deutschland nicht fehlen, als der "zweitstärkste Verbündete Israels".[Protokoll vom 06.05.02 (PDF)] Mit allen salbungsvollen Friedensreden ist Schluss, Ihr lasst die Katze aus dem Sack. Beim Griff in die antizionistische Mottenkiste seid Ihr nun offenbar in den untersten Schichten angelangt, der kritische Blick kommt Euch vollends abhanden. [Zugänge zum Nahostkonflikt: Soziale Konflikte in Israel - AGOE-Papier (PDF)] Nur so jedenfalls ist zu erklären, wie Ihr zu derartigen Schlüssen kommt: "Die USA übernehmen quasi die diplomatische Deckung der israelischen Aktionen, die voll im Interesse der USA liegen, weil die USA damit den Krieg gegen weitere Staaten insbesondere den Irak vorbereitet." [Protokoll vom 06.05.02 (PDF)] Eine veritable Verschwörungstheorie präsentiert Ihr den LeserInnen Eurer Homepage. Israel führt seine Militärschläge keineswegs gegen palästinensische suicide-bombers, nicht mal gegen den Terror,[ vgl. dazu: Uri Avnery, Das wirkliche Ziel, unsere Übersetzung (PDF)  Original (html)] sondern um den Einmarsch in den Irak vorzubereiten. Nichts ist so, wie es scheint, hinter allem steckt etwas ganz anderes, nämlich imperialistische Interessen, deren Relevanz für Israel Ihr einfach unterstellt. Da muss nichts mehr hergeleitet werden: Das ist wohl das, was man in Euren Kreisen unter Materialismus versteht. Auch wenn Ihr Euch den Jargon des 70er-Jahre-Antiimperialismus weitgehend verkneift, kommt inhaltlich doch nichts anderes als das heraus, was wir seit Anfang der 90er für erledigt gehalten hatten: Israel ist für Euch nichts als der Brückenkopf der USA, ein Staatengebilde, das nur dazu diene, die arabischen Völker zu unterdrücken. "Eine Gegenüberstellung der militärischen Potentiale von Israel und den arabischen Staaten würde zeigen wie realistisch es ist, daß Israel Herrschaft über große Teile des Nahen und Mittleren Ostens ausüben kann. Israels Existenz ist in keiner Weise gefährdet, vielmehr wird Israel als die Großmacht der Region aufgebaut." [Protokoll vom 06.05.02 (PDF)] Da braucht es keinen Abgleich mehr mit der Realität, mit der Tatsache, dass Israel sich vor gerade mal zwei Jahren bereit erklärt hatte, sich aus 98% der besetzten Gebiete zurückzuziehen - eine Verhandlungsposition, die Arafat mit der Intifada beantwortet hat -, dass es selbst jetzt noch und selbst unter Sharon einen palästinensischen Staat anbietet, dass es sich nach dem Friedensvertrag mit Ägypten - für den Sadat von Islamisten ermordet wurde - aus dem Sinai und ohne jede Garantie aus dem Libanon zurückgezogen hat. [80 Thesen für ein neues Friedenslager, ein Entwurf von Gush Shalom, These 70] Israel hat in Eurem Weltbild der Aggressor zu sein, der den Nahen Osten unterjochen will. [Achim Rohde, Das Primat des Militärischen (PDF)] Kein Gedanke wird an die Konstitutionsbedingungen des israelischen Staates als praktischer Gegenwehr gegen den Antisemitismus verschwendet, [Zugänge zum Nahostkonflikt: Soziale Konflikte in Israel - AGOE-Papier (PDF)] keine Buchstabe für die Banalität geopfert, dass Israel seit seiner Gründung - nicht nur - von seinen Nachbarn mit Vernichtung bedroht wird. Auschwitz kommt bei Euch nur als rhetorischer Trick vor. "Ist der Staat Israel infolge der Shoah entstanden oder ist diese Deutung nur ein ,Gründungsmythos' mit besonderer Schutzfunktion?" [Ist der Staat Israel infolge der Shoah enstanden? - AGOE-Papier.] Dieser Satz ist ein handfester Skandal und eine bodenlose Unverschämtheit dazu: [80 Thesen ...] Der Holocaust ein nationaler "Gründungsmythos" wie die Schlacht im Teutoburger Wald, der Antisemitismus vermutlich reine Paranoia. Ihr tarnt diese Behauptung nur als Frage, die Antwort habt Ihr Euch schon längst gegeben. Und erschlagt damit die entscheidende Differenz, die Israel zum Besonderen unter den Nationalstaaten macht, mit demonstrativer Erkenntnisverweigerung.

Gleichzeitig, und in nur scheinbarer Paradoxie zur Missachtung der Differenz, macht Ihr den Staat der Juden zum "Juden unter den Staaten". Alle Unterdrückung, alles Elend in der Region, macht Ihr an Israel fest,[80 Thesen ...] mit Herrschaft habt Ihr kein Problem, nur mit "Fremdherrschaft", vor allem, wenn sie von Israel ausgeübt wird. Eure vorgebliche Sorge um die PalästinenserInnen ist in Wahrheit nur das Ressentiment gegen Israel. [Jochen Hippler: Ein trojanisches Pferd - Hamas und die Hintermänner (PDF)] Würde die Unterdrückung dieser Menschen von der Autonomiebehörde unter General Arafat organisiert - also ganz "selbstbestimmt" -, wären sie Euch keines Wortes mehr würdig, wie jetzt schon die eine Million Menschen, die im Irak dem faschistischen Terror der Baath-Partei zum Opfer gefallen sind, nur dann in Eurer Argumentation auftauchen, wenn man sie als Embargo-Opfer der USA deklarieren kann. [80 Thesen ...] Aber Ihr habt Euer Feindbild gefunden, lasst Euch durch kein Argument mehr irritieren. Und befindet Euch damit - aller pseudo-kritischen Attitüde zum Trotz - im Boot mit der Völkergemeinschaft, die von der EU bis zur UN, von Arundhati Roy bis zu Norbert Blüm, die gleichen Ressentiments pflegt. Von Vernichtungskrieg reden sie und vom Geist von Auschwitz, der über Djenin schwebe. Fehlt noch, dass ihr plötzlich anfangt, Staatlichkeit zu kritisieren, wie so viele Eurer antizionistischen KollegInnen plötzlich Ihre Affinität zum Antinationalismus entdeckt haben. Da werden dann auf einmal alle Staaten abgelehnt, und - rein zufällig - auch Israel. Freilich nicht, ohne im nächsten Satz zu betonen, dass die Gründung eines Staates Palästina notwendige Voraussetzung des Friedensprozesses sei. "So spricht die Weltgemeinschaft und schweigt über Ruanda, schweigt über die Hölle im Kongo oder die Pogrome in Indonesien. Und redet von Israel", schreiben Wertmüller und Pankow in der konkret über die antizionistische Welle. ["Konkret im Krieg -Wer ist der Antideutscheste im Land?" - Gegenstandpunkt (PDF) HTML]

Euch aber fehlt jede Wahrnehmung für das anti-israelische und antisemitische Ressentiment, das in Europa und besonders in Deutschland herrscht, Ihr kennt keine antisemitischen Überfälle in Berlin, keine brennenden Synagogen in Marseille. Ihr schreibt nichts über die Aufrufe der ach-so-fortschrittlichen PFLP, Juden weltweit anzugreifen, Ihr wollt nichts hören von den Ausfällen eines Möllemann,[Moshe Zimmermann, Ein Frage der Haltung (PDF)] der sich schon mit Bombengürtel in einem israelischen Café wähnt. Statt dessen ist ausgerechnet Deutschland, für das Israel doch nichts ist, als eine Erinnerung an sein Menschheitsverbrechen, und das deshalb die Autonomiebehörde in einem Maße finanziert, wie kein anderer Staat dieser Welt, für Euch die dritte "Achsenmacht". Als hätte nicht Deutschland den Rundfunksender "Stimme Palästinas" mitfinanziert, der tagtäglich kleine Kinder zum Märtyrertod aufhetzt, als wäre es nicht Deutschland gewesen, das mit seinem Plan einer UN-Intervention die Aushöhlung der Souveränität Israels betreibt. Und als hätten nicht deutsche Geheimdienste bis weit nach Beginn der Al-Aksa-Intifada die "Sicherheitskräfte" der PA ausgebildet, die mit ihrem Know-How heute den Terror unterstützen. Statt dessen findet Ihr Euch in der Rolle der verfolgenden Unschuld wieder: [80 Thesen ...] "Aus Sicht Israels [muss] sowohl in USA als auch in Deutschland die Kritik an Israel unterbunden werden. Dies ist in Deutschland umso leichter möglich, weil hier jede Kritik an Israel als ,antisemitisch' bezeichnet werden kann und damit Kritiker Israels mit Nazis in eine Reihe gestellt werden. Die BRD wird so für die Großmachtfunktion Israels in die Pflicht genommen." [Protokoll vom 06.05.02 (PDF)]Ausgerechnet Deutschland, das Land, in dem 73% der Bevölkerung die israelische Politik für ein Verbrechen halten, wähnt Ihr also als Opfer einer jüdischen Meinungsdiktatur, die den Leuten verbietet, zu Denken, was sie wollen. Und mit was arbeiten die Juden mal wieder? Mit der "Antisemitismuskeule"! Ein Glück, dass die Deutschen schon immer wussten, was ein wahres Volk von einem zionistischen Staatengebilde unterscheidet, und die jüdischen Unterminierungsversuche deshalb auf taube Ohren stoßen: "Dagegen rührt sich allerdings aller Orten Kritik, die in der Position mündet ,Man könne sehr wohl Israel kritisieren ohne antisemitisch und rassistisch zu sein'". Frisch, fromm, fröhlich, frei wie einst Turnvater Jahn, so ruft Ihr es aus: Ja, Israel ist das Übel, und wir genieren uns gar nicht, das zu sagen, auch wenn der Jude es uns verbieten will! [ Uri Avnery, Das wirkliche Ziel, unsere Übersetzung (PDF)  Original (html)]

Das ist mutig, das ist echtes Deutsches Heldentum vom Schlage eines Martin Walser, also "zitternd vor Kühnheit". Als Leute, die von klaren Worten viel halten, können wir damit mehr anfangen, als mit dem Pseudopazifismus aus Eurem Flugblatt. Nichts mehr zu wünschen übrig lässt die Definition der "Aufgaben und Ziele" Eurer Öffentlichkeitsarbeit: es geht Euch darum, "eine Position zu finden, die Israel kritisiert aber sehr deutlich macht, daß dies [...] in keiner Weise etwa mit dem Antisemitismus-Vorwurf abgeblockt werden kann". [Protokoll vom 06.05.02 (PDF)] Also nicht etwa, eine Position zu finden, die keinen Antisemitismus mehr transportiert, sondern nur eine, die sich gegen dahingehende Kritik immun macht. Israel ist Euer Problem, die Palästinenser sind Eure Hoffnung. Ihr stellt Euch auf die Seite des völkischen Aufstands gegen den Staat, der die notwendige Konsequenz aus Auschwitz ist. Ihr seid der real-existierende Beweis für die fatalen Allianzen, die das Deutschtum mit seinen Linken eingehen kann; Ihr seid deutsche Fußtruppen der Intifada. ["Konkret im Krieg -Wer ist der Antideutscheste im Land?" - Gegenstandpunkt (PDF) HTML]

Eure "linksnationalistischen Kriegstreiber" vom [a:ka]